Manchmal ist es gar nicht so leicht, ein Gefühl auszudrücken, zu beschreiben oder gar erst wahrzunehmen. So geht es nicht nur Kindern, sondern auch vielen Erwachsenen. Wir sind es gewohnt, uns anzupassen und nur die Gefühle zu zeigen, die von uns erwartet werden. Oft beobachten wir das schon bei Kindern. Beispielsweise wenn jemand gestürzt ist und sich verletzt hat. Es gibt Kinder, die schlucken dann die Trauer und den Schmerz einfach runter. Viel leichter fällt es Kindern, positive Gefühle zu zeigen und auszudrücken. Wenn wir etwas mit den Kindern basteln oder bauen, etwas Lustiges vorlesen, Quatsch machen oder Bewegungsspiele anleiten, dann leuchten die Augen der Kinder und sie sprudeln richtig vor Lachen und Glückseligkeit.
Um die Kinder dafür zu sensibilisieren, uns ihre Gefühle mitzuteilen haben wir ein Ritual im Abschlusskreis eingeführt. Die Kinder dürfen in einer Feedbackrunde ihre Befindlichkeiten mitteilen und werden von uns dazu angeregt, diese zu verbalisieren. Beliebte Hilfsmittel sind dabei unsere “Feedback-Smileys”, welche unterschiedliche Gesichtsausdrücke von glücklich über traurig bis wütend zeigen. Fragen können sein:
,,Wie war dein Tag?”
,,Mit wem hast du heute (gerne) gespielt?”
,,Was hat dir besonders viel Spaß gemacht?”
,,Hast du dich heute über etwas oder jemanden geärgert?”
Ein Tag muss auch nicht nur gut oder nur schlecht sein, oft verläuft so ein Tag ja kurvenartig mit vielen Hochs und Tiefs.
Manchmal zeigen die Kinder ihre Stimmung auch einfach mit dem Daumen. Selbst eingeführt haben die sie den Daumen, der einmal um sich selbst gedreht ist, also mit leicht verrenktem Arm nach oben zeigt. Das ist das Zeichen für den mega-super-guten Tag.
Anhand dieser Stimmungsbilder können wir wertvolle Rückschlüsse für unser pädagogisches Handeln ziehen. Meistens spiegelt uns das Feedback der Kinder auch unsere eigenen Befindlichkeiten den Tag betreffend wider. War es sehr unruhig und laut, gab es viel Streit und Stänkereien, dann war meistens auch für das Team der Tag sehr turbulent. Manche Kinder suchen sich dann selbst einen Ausgleich oder wenden sich an Heidje, die nie mit ihnen schimpft, nie nachtragend ist und sich immer über eine Kontaktaufnahme freut.
Zu Anfang erwähnte ich bereits die Gefühle, die sich nicht so gut anfühlen. Dabei wählen wir den Kindern gegenüber bewusst nicht den Ausdruck “schlechte Gefühle”, sondern lieber “Gefühle, die sich schlecht anfühlen” oder “Gefühle, die sich schwer anfühlen”. Das soll verdeutlichen, dass es keine schlechten Gefühle gibt, jedes Gefühl ist erstmal da und kommt auch irgendwo her. Das steht im engen Zusammenhang mit den “Geheimnissen, die sich schlecht/gut anfühlen”.
Hier sind wir dann wieder beim Thema Prävention und Sexualpädagogik. Wenn mich jemand gegen meinen Willen anfasst und zu mir sagt: ,,Erzähl das aber niemandem, sonst bin ich nicht mehr dein Freund”, dann ist das wohl eher ein Geheimnis, das man jemandem anvertrauen sollte. Das können die Eltern sein, aber auch andere Familienmitglieder oder die ErzieherInnen.
Ein gutes Geheimnis könnte sein, dass man einen Schatz versteckt hat und den Ort nicht verrät oder dass man ein Überraschungs-Geschenk für Papa bastelt. Die Unterscheidung ist für Kinder nicht immer einfach.
Besonders im Hinblick auf unsere sexualpädagogische Vergangenheit seit dem Elternabend legen wir besonderen Wert darauf mit den Kindern über ihr Wohlbefinden ins Gespräch zu gehen. Immer wieder merken wir, wie wichtig dabei der Austausch mit der Elternschaft ist. Manchmal hat man so ein Gefühl, dass ein Kind mit den Gedanken irgendwie woanders ist und im Austausch während der Abholzeit stellt sich dann heraus, es hat schlecht geschlafen, es gab einen Streit oder einen anderen Umstand, der dem Kind Unbehagen bereitet. Wir freuen uns, wenn ihr mit uns im Austausch bleibt. Manchmal ist das Geschehene auch noch so frisch, dass die Kinder im Abschlusskreis ihre Befindlichkeiten noch gar nicht äußern können. Dann spüren es die Eltern auf der Heimfahrt, wenn plötzlich alles herausbricht, oder die Kinder erzählen es vielleicht beim Zu-Bett-Gehen.
Im Herbst möchten wir unsere Gefühle mal von einer ganz neuen Seite beleuchten. Es geht nämlich um das Thema Tierschutz. Mit vielen kleinen Aktionen werden wir in der kommenden Jahreszeit nämlich versuchen, die Tiere des Waldes näher kennen zu lernen, ihren Lebensraum zu schützen und uns gut um sie zu kümmern. Ich erinnere mich noch an den Vorfall letztes Jahr, als wir die kleine, verletzte Singdrossel gefunden haben und alle Kinder ganz betroffen waren. Oder wie stolz die Kinder waren, nachdem sie die Totholz-Hecke für die Igel fertig gestellt hatten. Mit einem direkten Bezug zu ihrer belebten Umwelt, fällt es den Kindern leichter, für Tiere einzustehen und sich für sie einzusetzen, empathisch zu sein. Einige Kinder können Heidjes subtile Körpersprache bereits gut lesen und wissen, dass sie etwas nicht möchte, wenn sie sich über die Nase leckt, viel gähnt oder sich trollt. Das finde ich natürlich super, denn es zeigt, wie sehr sich die Kinder auf ihr Gegenüber einlassen können, sei es Tier oder Mensch.
Über den weiteren Verlauf der thematischen Reihe halten wir euch auf dem Laufenden, entweder hier oder über unsere Signal-Gruppe.